Quelle: Veranstalter


„Im Großen und Ganzen war sie unsichtbar, konnte durch die Welt gehen, als gäbe es sie nicht.“

Seit 45 Jahren putzt Leonora Bloch für Dr. Bronnstedt, in seinem Luxuskaufhaus wie auch in seiner Privatvilla. Sie nimmt diese Aufgabe ernst – so ernst, dass die Polizei keine Spuren sichern kann, als Bronnstedt brutal ermordet aufgefunden wird: Leonora hat den Tatort zu sorgfältig gereinigt. Die ermittelnden Beamten rätseln: Ist das bloß jenes Pflichtbewusstsein, das auch Bronnstedt einst dazu brachte, testamentarisch zu verfügen, Leonora möge sogar seine Beerdigung organisieren? Oder hat die alte Frau etwas zu verbergen?
Alle Indizien deuten darauf hin, dass Yael Inokai mit »Die Auster« einen lupenreinen Krimi vorgelegt hat, doch der Schein trügt. Mit der stilistischen Präzision, für die Yael Inokai bekannt ist, beschreibt sie die gar nicht so feinen Unterschiede zwischen Reinigungskolonne und den Menschen, die in den Delikatessabteilungen dieser Welt einkaufen. Mit Leonora Bloch steht dabei eine besondere Figur im Fokus der Aufmerksamkeit: Aufgrund ihrer eigenen Stellung in der Gesellschaft übersehen, sieht sie selbst doch alles. Und während sie glaubt, dass ihr Pflichtgefühl ihre größten Stärke ist, lernen wir nach und nach die Verwerfungen kennen, zu denen eine falsch verstandene Diskretion in ihrem Leben auch geführt hat.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: € 6,-/9,-/12,- (pay as you wish)

Yael Inokai, geboren 1989 in Basel, lebt in Berlin. Ihr zweiter Roman »Mahlstrom« wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2018 ausgezeichnet. Für ihren Roman »Ein simpler Eingriff« erhielt sie den Anna Seghers-Preis 2022 und den Clemens-Brentano-Preis 2023. Sie ist in sieben Sprachen übersetzt.

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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