Sonntag, 26.04.2026
um 20:00 Uhr




Aus Molières „Der Bürger als Edelmann” mixt das Team von La Fleur aus Frankreich, Mexiko und Elfenbeinküste seinen eigenen urbanen Tanz- und Sprachstil: Die klassische Ballettkomödie über naiv-brutale Aufstiegsgier wird zum perfekten Gegengift, um mit befreiendem Spott die koloniale Macht französischer Hochkultur und den Fluch erzwungener Anpassung loszuwerden.

„Wir sprechen die Sprache Molières (On parle la langue de Molière)“ ist in der Elfenbeinküste ein geflügeltes Wort. Denn hier gilt Molière als Synonym für die französische Kolonisierung in Sprache und Kultur und als Maßstab dafür, wie man sich gewählt ausdrückt und europäische Normen erfüllt.

Viele Mitglieder von La Fleur sind mit der Ikone Molière aufgewachsen. In ihrem neuesten Stück eignen sie sich „Der Bürger als Edelmann” an. Die Komödie erzählt von den Aufstiegsgelüsten eines Bürgers, der brutal gegen die eigenen Leute vorgeht und durch naive Anpassung an Bildungs- und Benimm-Normen glänzen will. Er nimmt Verfeinerungsunterricht für die höhere Gesellschaft, versteht die Codes nicht und wird von seinen Lehrern finanziell ausgenommen.

La Fleur überträgt Molières Kritik an der Identifikation mit der höheren Klasse auf die (post)koloniale Situation: Längst gibt es in der Elfenbeinküste Gegenbewegungen zur unkritischen Übernahme französischer Kultur. Seit den 70ern sprechen viele Ivorer*innen Nouchi, ein Hybrid aus Französisch, einheimischen Sprachen und neuen Slang-Ausdrücken, die von Gesten und Tänzen begleitet wird. In diesem Sinn übersetzt La Fleur die Ballettkomödie mit ihren schnellen Wechseln von Textszenen und Choreografien in eine eigene lustvolle Musik-Tanz-Wortkunst, um so am Ende Molière gegen Molière auszuspielen.

© La Fleur

Gespräch im Anschluss

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