Quelle: Veranstalter
Effis Nacht - von Rolf Hochhuth
02.10.2026
/ 18:00 Uhr
Lindau - Bad Schachen
, Villa Lindenhof
Ein Balkonzimmer in einer Villa in Lindau, später Oktober 1943. Elisabeth von Ardenne, geborene Freiin von Plotho, hält Nachtwache bei einem jungen Soldaten, der von der russischen Front zum Sterben in die elterliche Villa gebracht wurde.
Elisabeth, auch Else genannt, hat seit 1918 als Krankenschwester im Lindauer Krankenhaus gewirkt und macht jetzt – als Neunzigjährige – den Nachtdienst nur noch ausnahmsweise. Sie ist mit dem Fahrrad von Hochbuch, wo sie lebt, zur Villa gefahren, um dem sehr jungen, sehr verwundeten Soldaten die notwendige letzte Hilfe zu erweisen. Dabei ruminiert sie über das Leben – ihr eigenes Leben, das weit in das 19. Jahrhundert zurückgreift: sie grübelt über ihr aristokratisch-gesellschaftliches Erbe der preußisch-militärischen Offizierstradition und über die deutsche Kriegskatastrophe, verursacht durch die verbrecherische Hybris der Nationalsozialisten.
Hochhuths Text vermittelt mit „Effis Nacht“ die politische und gesellschaftliche deutsche Geschichte über den Gedankengang einer Frau, deren Leben dieses „weite Feld“ durchzog. Die historische Elisabeth von Ardenne war das Modell für Fontanes fiktive Effi Briest, mit dem großen Unterschied, dass Fontane Effi als junge Frau sterben lässt, während Elisabeth von Ardenne (1853-1952) Zeugin der radikalen Erlebnisse über ein Jahrhundert war.