Erste letzte Sekunde - Eine Gala von Christoph Marthaler
Galas sind ein Relikt aus Zeiten, in denen glamouröse öffentliche Feierstunden mit großem Aufwand betrieben und von Millionen Menschen eingeschaltet oder besucht wurden. Es gab gigantische Dekorationen, Orchester, Ballette, internationale Stargäste, Goldregen, Windmaschinen und elegant angegraute Moderator*innen mit hinterhältigem Humor.
Galas gibt es auch heute noch. Vermutlich sogar mehr als früher, allerdings überbieten sie sich in immergleichen Verläufen, austauschbaren Textbausteinen für Moderationen und Dankesreden sowie Bühnenbildern im Dubai-Stil. Überreicht werden absurde Pokale für Einzel- und Gruppenleistungen im Film-, Musik- und Theaterbusiness sowie Preise für Lebenswerke und Zivilcourage.
Wenn nun Christoph Marthaler eine Gala inszeniert, dann werden in der Lücke zwischen den überbordenden Blumensträußen rechts und links der Bühne zwar immer wieder Personen geehrt, eigentlich jedoch beschäftigt sich die Gala ausnahmsweise einmal ganz mit sich selbst und feiert das Gala-Wesen in allen vorstellbaren Klängen, Formen und Farben. In Marthalers Gala feiert die Gala ein musikalisches Fest der Gleichzeitigkeit! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser wundervollen Kunstform verschmelzen in einer einzigen ersten letzten Sekunde. Und weil der homo sapiens so etwas schlecht aushält, steht augenblicklich die Frage im Raum: Was kann die Gala, was wir nicht können? Bietet sie Trost in den schweren Stunden von Veränderung, Abschied und Aufbruch? Ja und nein, denn wie wir alle wissen, vergeht ja nicht die Gala, sondern immer wieder aufs Neue nur der einzelne Mensch. Das ist ungerecht, bietet der Gala als solcher aber berechtigte Hoffnung auf immerwährende Existenz! Was für Aussichten!
Eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Lausitz Festival und Symphoniker Hamburg.
Einlass 18:30