Samstag, 18.05.2024
um 15:00 Uhr

Erbdrostenhof
Salzstraße 38
48143 Münster





Bach inspiriert – alle nachfolgenden Generationen bis heute. Der preisgekrönte Pianist und Heucke-Spezialist Tobias Haunhorst und die äußerst vielseitige Pianistin Schaghajegh Nosrati, die ihren internationalen Durchbruch als Bach-Interpretin erlebte, bringen faszinierende Beispiele für seinen Einfluss auf die Bühne.
Die Klaviersonate Stefan Heuckes, des Composers in Residence beim Bachfest Münster, basiert auf Bachs Choral „Nun danket alle Gott“. „Bei Heucke sind wir in eine andere Welt übergetreten und schauen aus dieser fremden Perspektive zurück – ein unglaublich optimistisches Stück. Selbst im größten Aufruhr zitiert Stefan aus dem Choral, so subtil, dass wir es meist gar nicht bewusst wahrnehmen können. Der Choral bleibt soz. unter der Oberfläche. Erst ganz am Ende wird die Hoffnung dann für uns alle sichtbar.“ (Haunhorst)
Der fanfarenartige Beginn von Präludium und Fuge in D-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier Bd. 2 war offensichtlich Vorlage für den ersten Satz in Mozarts „Jagd-Sonate“ KV 576, die zudem voller Kontrapunktik steckt. Mozart schrieb sie 1789 – im April des Jahres hatte er in der Leipziger Thomaskirche Bachs Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“, BWV 225, gehört und ausgerufen: „Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen lässt!“
Augmentation, Diminution, Umkehrung, Engführung: Mendelssohns Variations sérieuses und Wolfgang-Andreas Schultz’ Variationen über Bachs „Ich steh an deiner Krippen hier“ sind von Fugentechniken durchzogen. Auch der Choralsatz spielt in beiden Werken eine zentrale Rolle. Mendelssohn und Schultz sind profunde Bach-Kenner: Jener trug 1829 mit der Aufführung der Matthäuspassion zur Renaissance Bachs bei, Schultz, Sohn eines Kirchenmusikers, nennt Bach, Mozart und Schubert als seine Lieblingskomponisten. Ähnlich wie Heucke komponiert er integrativ, in einer ureigenen, verständlichen und mitreißenden Tonsprache, in der sich Dissonanz und Konsonanz, Atonalität und Tonalität durchdringen.

Programm:
Stefan Heucke (*1959): 2. Klaviersonate op. 79, „Nun danket alle Gott“
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Präludium und Fuge Nr. 5 D-Dur, BWV 874
Wolfgang-Andreas Schultz (*1948): Variationen über ein Thema von J. S. Bach
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Klaviersonate Nr. 18 D-Dur, KV 576
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Variations sérieuses, op. 54

Ort:
Erbdrostenhof
Der Erbdrostenhof, ein barockes, dreiflügeliges Adelspalais, wurde 1753–1757 nach Plänen des Architekten Johann Conrad Schlaun für den münsterschen Erbdrosten Adolf Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering gebaut. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe zerstört, 1953–1970 nach alten Plänen durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wiederhergestellt. Über dem Vestibül liegt die zweigeschossige „salle à l’Italienne“ mit illusionistischer Wand- und Deckenmalerei. Die Fresken malte Nikolaus Loder, Paul Reckendorfer aus Wien rekonstruierte sie (wie die Fresken in der Clemenskirche) 1965–1967.

Foto Nosrati (c) Irène Zandel
Foto Haunhorst (c) Tumen Dondukov

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix