Quelle: Reservix

Sonntag, 28.06.2026
um 18:00 Uhr




Łukasz Dyczko, Sopransaxophon
Oskar Rzążewski, Altsaxohon
Karol Mastalerz, Tenorsaxophon
Wojciech Chałupka, Baritonsaxophon

Vier polnische Gentlemen mit Rhythmus im Blut, Gesang in den Herzen und einem fabelhaft farbigen Sound; jeder ein Virtuose, doch als Teamplayer für die andern ganz Ohr; ihre Programme ein Mix aus Eigenbearbeitungen klassischer Werke (K. Mastalerz, W. Chałupka) und Originalen für Saxophonquartett, der zündet: Das Nemesis Quartett gilt in Polen als eins der aufregendsten Kammermusik-Ensembles der neuen Generation.

Mit „Mazurka und Bach“ lässt Nemesis einen vibrierenden Hör-Saal erstehen, in dem polnische und deutsche Klassiker in Resonanz geraten, miteinander „tanzen“, und all jene, die sie erleben, in ihren Schwingkreis ziehn. Zumal die Stücke der Viere selbst tänzerisch sind. Inspiriert an polnischen Nationaltänzen, am schwungvoll italienischen Barock Vivaldis oder am deutschen Walzer wie auch an Bachs Choral, ist ein jedes eine neue Legierung aus Eigenem und Fremdem – so individuell wie die Cover-Versionen des Nemesis Quartetts, das sie in seinem modernen Idiom interpretiert.

Bach vereint in seinen italienischen Konzerten Vivaldis Leichtigkeit und Virtuosität, opernhafte Sanglichkeit und motorische Rhythmik, Solo-Tutti-Kontraste und dynamische Steigerungen mit seiner komplexen Mehrstimmigkeit, motivischen Entwicklung und reich modulierenden Harmonik.

Mazurka, Oberek, Krakowiak und Polonaise haben die polnischen Komponisten zu bezaubernden Kunsttänzen inspiriert. Sind Chopins Mazurken – die eine kontemplativ entrückt, die andre extrovertiert – bei uns populär, so sind die andern polnischen Werke mit Nemesis zu entdecken: Lutosławskis augenzwinkernder Volksmelodie-Schnipsel; Różyckis glanzvolles, spätromantisch-pathetisches Miniaturballett; Nowakowskis dramatisch dichte Fantasie auf „Halka“, die tragische Nationaloper der Polen; Szymanowskis Mazurka, in der Folklore, Moderne und fast mystische Klänge sich mischen; Noskowskis nachdenklich-nostalgisches Stimmungsbild, eine gebremste Cracovienne.

Mit Widmanns launigen „Capricci“ zeigt Nemesis alles, was das Saxophonquartett heute ausmacht: melodische Beweglichkeit und harmonische Weltläufigkeit etwa, raffinierteste Artikulation, Mikro-Tonalität oder „noise“: Luft-, Atem-, Klappen- und Reibungsgeräusche. Zum Schluss überbordende Zirkusmusik, ironisch, komisch, rasant.

Mazurka und Bach
Witold Lutosławski (1913–1994): An Overheard Melody
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Italienisches Konzert, BWV 971
Ludomir Różycki (1883–1953): Polish Dances, op. 37
Johann Sebastian Bach: Jesus bleibet meine Freude
Fryderyk Chopin (1810–1849): Mazurka a-Moll, op. 17 Nr. 4 | Mazurka in C-Dur, op. 24 Nr. 2
Józef Nowakowski (1800–1865): Fantasie auf die Oper „Halka“ von Stanisław Moniuszko, op. 51
Antonio Vivaldi/Joh. Sebastian Bach: Orgelkonzert a-Moll, BWV 593
Karol Szymanowski (1882–1937): Aus: Mazurkas, op. 50
Zygmunt Noskowski (1846–1909): Cracovienne, op. 2 Nr. 1
Jörg Widmann (*1973): 7 Capricci

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