Quelle: Reservix


Die Pianistin Lilit Grigoryan, frisch berufene Professorin an der Musikhochschule Rostock, ist fast schon ein Dauergast bei den Gezeitenkonzerten. Gemeinsam mit der Violinistin Liv Migdal und dem Cellisten Ofer Canetti gestaltet sie einen besonderen Abend auf dem malerischen Gut Horn Gristede. Migdal und Canetti sind ausgewiesene Experten für das Werk Paul Ben-Haims: Während Migdal seine Musik bereits vielfach eingespielt hat, nahm Canetti, der international auch als Komponist und Arrangeur gefragt ist, dessen gesamtes Cello-Werk auf.

Im Zentrum des Programms steht die faszinierende Klangsprache Paul Ben-Haims. 1897 als Paul Frankenburger in München geboren, emigrierte er 1933 nach Tel Aviv. Dort schuf er eine neue musikalische Identität, in der sich europäische Kompositionsmethodik harmonisch mit jüdischen und orientalischen Traditionen verbindet. Für Liv Migdal ist diese Musik tief erfahrbar: „Seine Klangsprache hat mich beim ersten Hören bis ins Mark getroffen.“ Zu hören sind neben dem Klaviertrio auch die „Three Songs Without Words“ – vom Komponisten als „Tongemälde mit orientalischer Gestimmtheit“ bezeichnet – sowie weitere Kammerstücke, die musikalisch zwischen Sehnsucht, Erinnerung und einer neuen Heimat oszillieren.

Dem stellt das Trio Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüber. Neben ausgewählten „Liedern ohne Worte“ erklingt das berühmte Trio dMoll op. 49. Robert Schumann feierte es einst in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als „Meistertrio der Gegenwart“ und nannte Mendelssohn den „Mozart des 19. Jahrhunderts“. Ähnlich wie Ben-Haim bewegte sich auch Mendelssohn zeit seines Lebens zwischen den Welten – zwischen seiner jüdischen Herkunft und der Anpassung an die christlich-bürgerliche Norm.

Dieses Konzert will nicht nur Noten erklingen lassen, sondern Räume der Erinnerung und der Begegnung öffnen. In der intimen Atmosphäre von Gut Horn wird das musikalische Erbe beider Komponisten nicht als Relikt, sondern als berührende, lebendige Stimme für die Gegenwart neu entdeckt.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Auszüge aus: Lieder ohne Worte für Klavier

Lied ohne Worte für Violoncello und Klavier op. 109

Paul Ben-Haim (1897-1984)
Berceuse sfaradite für Violine und Klavier

Arabic song für Violine und Klavier

Variations on a Hebrew Melody für Violine, Violoncello und Klavier

Three songs without words für Violoncello und Klavier

Felix Mendelssohn Bartholdy
Trio d-Moll für Violine, Violoncello und Klavier op. 49

Liv Migdal (Violine)
Ofer Canetti (Violoncello)
Lilit Grigoryan (Klavier)

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