Nach dem Roman von Virginia Woolf in der Textfassung von Sarah Ruhl.
Übersetzung: Evelyn und Rainer Iwersen. Regie: Rodrigo Garcia Alves. Bühne/Kostüme: Heike Neugebauer. Musik/Sounddesign: Konstantin von Sichart. Choreographische Entwicklung: Mab Cardoso Mit: Simon Elias, Tim Lee, Michael Meyer, Sofie Alice Miller/Magdalena Julia Simmel, Erik Roßbander, Kathrin Steinweg.
In ihrem Roman schickt Virginia Woolf ihre Titelfigur Orlando auf eine fantastische, 300jährige Lebensreise durch unterschiedliche Zeiten und Genderrollen. Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1928 hat dieser Roman Generationen von Leser:innen fasziniert und inspiriert.
Die Titelfigur Orlando wird im 16. Jahrhundert als Mann, Spross eines alten Adelsgeschlechts, geboren. Er wird zum Günstling Elizabeth I., bis er sich in eine russische Prinzessin verliebt, die ihm das Herz bricht. Er verwandelt sich im 18. Jahrhundert, während er als Gesandter in Konstantinopel lebt, über Nacht in eine Frau und lernt mit Mühe und Amüsement die Bequemlichkeiten, aber auch Zwänge der neuen Geschlechterrolle kennen. Im 19. Jahrhundert begehrt sie gegen die immer restriktiveren Rollenvorstellungen auf und registriert verwundert den enger werdenden Gefühls- und Aktionsradius des gesellschaftlichen Umgangs, doch sie entdeckt die Liebe neu. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erleben wir sie als eine Frau, die in ihrer Zeit lebt, einer Zeit, in der sich die Menschen durch gesteigerte Mobilität und vielfältigen Konsum voneinander entfremden und die neben der bisher ungekannten individuellen Freiheit auch den Zwang, bzw. die Verführung, zur Konformität enthält.
Eine Lebensreise durch Epochen und Gender, die gesellschaftliche Konventionen und die Dimension von Zeit in Frage stellt und die Literatur und Imagination als Lebenskonstanten feiert. Die Inszenierung zeigt hervorragendes Schauspiel, ein wandelbares Bühnenbild und opulente Kostüme. Das choreografierte Spiel des „Chores“ spiegelt den ironischen Unterton der Romanerzählung. Der Soundtrack präsentiert musikalische Ikonen und subkulturelle Einflüsse.