Donnerstag, 14.11.2019
um 21:00 Uhr

DEZERNAT 16
Emil-Maier-Str. 16
69115 Heidelberg




Das Konzert ist unbestuhlt!

Was ist da nur gerade los in London? In England und speziell der Hauptstadt brodelt es in Sachen Jazz jedenfalls seit einer Weile. Vielleicht hat das mit gesellschaftlichen Spannungen im Königreich zu tun, die musikalisch befruchtend wirken. Enjoy Jazz hat seit ein paar Jahren ein Augenmerk auf die neue UK-Jazz-Community; bei dieser Ausgabe darf man fast von einer British Invasion sprechen. Einer der neuen Stars ist Ashley Henry. Das klassische Piano-Trio steht beim Mittzwanziger im Fokus, wird aber immer wieder auch erweitert – etwa um die Trompeter Keyon Harrold und Theo Croker, um die Sängerinnen Judi Jackson und Cherise Adams Burnett oder um Altmeister Jean Toussaint. Man merkt, dass der junge Pianist von Legenden wie Herbie Hancock und Ahmad Jamal beeinflusst ist, gerade auch was die Fähigkeit angeht, catchy Melodien zu entwerfen; aber ebenso sehr von Zeitgenossen wie Robert Glasper oder Christian Scott, die sich nicht nur aus dem Jazzrepertoire bedienen, sondern auch von HipHop und elektronischer Clubmusik geprägt sind. „Meine Musik ist ein direktes Spiegelbild dessen, was ich bin – London in all seiner gemischten Pracht“, hat er einmal gesagt. Das Heterogene, die Besinnung auf Sounds und Narrative verschiedener Herkunftsländer spielt in der Szene eine wichtige Rolle. Alles schön bunt hier. Und zugleich ziemlich essentiell. Henrys jüngste Platte „Beautiful Vinyl Hunter“ belegt das.

Einlass 20 Uhr

Ausverkauft

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

weitere Termine

Vincent Peirani & Émile Parisien - Abrazo
Abrazo. Umarmung. Mal Engtanz, mal Nahkampf. Gibt es ein besseres Bild für das Duo Vincent Peirani und Emile Parisien?»Es ist wie eine Ehe.« sagt Peirani.»Am Anfang ist alles großartig, wunderbar, ein Paradies. Doch dann gibt es auch immer wieder Krisen, das ist ganz normal. Und jetzt gerade haben wir einfach eine Riesen-Lust, zusammen zu spielen.«Es dürfte nur wenige Musiker geben, die einander so gut kennen, wie Akkordeonist Peirani und Sopransaxophonist Parisien. Mehr als 1000 Konzerte haben die Beiden in den letzten knapp zehn Jahren zusammengespielt, über 600 davon im Duo. Kennengelernt haben sie einander 2010 im Quartett des Schlagzeugers Daniel Humair. Auf einer Koreatour spielten sie dann, recht spontan, ein erstes nächtliches Clubkonzert im Duo. Laut Peirani eine»ca-ta-strophe! to-tal disastre!«. Doch schon kurz danach, ohne Jetlag und gut vorbereitet, machte es auf einem französischen Festival Klick und eine der wohl außergewöhnlichsten Formationen des europäischen Jazz war geboren. Im Jahr 2014 erschien das erste gemeinsame Duoalbum ›Belle Epoque‹auf ACT. Schnell ging es von da an über die wichtigsten Clubs und Festivals in Frankreich und Deutschland auf Tour in die ganze Welt -nach Asien, Lateinamerika, die USA, Kanada und ganz Europa. Und in weltbekannte klassische Häuser wie die Philharmonien in Berlin, Hamburg, Essen oder Wien. Auch internationale Preise wie der Echo Jazz, Les Victoires duJazz, der Preis der deutschen Schallplattenkritik und zahlreiche Kritikerauszeichnungen führender Jazzmagazine ließen nicht lange auf sich warten.

Einlass 19:00 Uhr
Sarah McCoy
Das Konzert ist bestuhlt!

Die schönsten Mythen populärer Musik handeln von verkannten Genies, die beinahe nicht dorthin gefunden hätten, wo sie eigentlich hingehören: ins Rampenlicht. Von daher ist Sarah McCoys Geschichte eine fast prototypische: Nach dem Tod ihres Vaters wird das Klavier und die Musik zur Rettung. Mit einer Gitarre im Gepäck schlägt sie sich nach Kalifornien durch, sie schreibt Songs und singt, als würde sie es mit Göttinnen wie Bessie Smith oder Nina Simone aufnehmen wollen. Ihre Lehr- und Wanderjahre, entlang am Abgrund des Scheiterns, führen sie 2011 nach New Orleans. Dort spielt sie in wirklich jedem Club und jeder Kaschemme. Songs und Stimme werden dunkler, freier, bewegender. Der französische Regisseur Bruno Moynie, auf Besuch in der Stadt, erkennt ihr Talent. Dreht eine Doku über McCoy. Arrangiert eine Tour durch Frankreich. Und dann die entscheidende Begegnung: Sie tritt im Vorprogramm von Chilli Gonzalez auf, der als Exzentriker begeistert ist von der Exzentrikerin. Er produziert ihre erste Platte: „Blood Siren“ (2019) klingt nicht wie ein Debüt, sondern wie das reife Werk einer Sängerin und Poetin, aufgenommen mit einem Minimum an Mitteln und einem Maximum an emotionaler Wirkung. Und mit einem Gesang, den die Mittdreißigerin so beschreibt: „Wenn ich singe, vibriert mein ganzer Körper, ich schließe die Augen und sehe Farben, lasse Landschaften entstehen.“

Einlass 20 Uhr