Freitag, 22.01.2021
um 19:30 Uhr

Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 4
70174 Stuttgart



Digitale Vernissage

In den 40er bis 60er Jahren ließ eine Gruppe von amerikanischen Autor*innen die moderne Literatur erbeben – mit Schockwellen rund um den Globus. Die Beats revolutionierten die literarische Sprache: Straßenslang und spontanes Schreiben wurden en vogue, ihre Themen waren existenzieller Nomadismus und moderne Sinnsuche, sie stellten ihre Werke in umgebauten Garagen und Musikclubs vor. In den 1980er/90er Jahren kam es in der Bundesrepublik zu einem Nachbeben: Junge, wilde Schriftsteller*innen loteten die Grenzen der Literatur aus: mit Texten, gespeist von ihrem unmittelbaren Erleben, inspiriert von Dada und den Beats, mit Formen zwischen Happening, Performance und Lesung, jenseits der etablierten Orte der Literatur. Sie nannten sich: Social Beat und waren die Impulsgeber für die heutige Slam Poetry.
Die Ausstellung dokumentiert die Social Beat-Szene, in der der Großraum Stuttgart eine wichtige Rolle spielte – mit Original-Dokumenten aller Art. Die Aktivisten der Szene haben ihr Archiv zur Verfügung gestellt. Umrahmt wird das Ganze von Porträts und Dokumenten der Beats und garniert (digital und womöglich live) mit Veranstaltungen und Lesungen, Filmen, Audioclips und Bücher-Vitrinen.

Gefördert von der Stadt Stuttgart und der LBBW Stiftung

Livestreamticket: 5,- €

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

weitere Termine

Aus der Zuckerfabrik - Dorothee Elmiger
Nachholtermin
Preis des Wirtschaftsclubs
Laudatio: Insa Wilke
Moderation: Péter Horváth

„Aus der Zuckerfabrik“ trägt bewusst keine Gattungsbezeichnung, sondern ist vielmehr ein „Protokoll einer kreisenden, unordentlichen Recherche zu den Gräben, auf die der Kapitalismus so dringend angewiesen ist, und zu einigen (historischen) Versuchen, diese Gräben mit einem oder beiden Füßen zu überwinden“, so die Autorin Dorothee Elmiger über ihr Buch. Sie landete mit ihrem Text nicht nur prompt auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020, sondern erhält zudem den Preis des Wirtschaftsclubs im Literaturhaus Stuttgart 2020. "My skills never end" steht auf dem T-Shirt eines Arbeiters, der gerade seinen Lohn ausbezahlt bekommt: Elmiger folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch die Jahrhunderte und die Weltgegenden. Zugleich ist „Aus der Zuckerfabrik“ auch ein Text über Genuss und Lust, die in den Reflexionen Dorothee Elmigers indes ihre Harmlosigkeit verlieren: „Wie begehre ich, wen oder was begehre ich und auf wessen Kosten? Ist meine Lust, ist mein Hunger zerstörerisch?“ fragt Elmiger im Gespräch mit dem Carl Hanser Verlag. Geboren 1985, lebt und arbeitet Elmiger in Zürich. 2010 erschien ihr Debütroman „Einladung an die Waghalsigen“, 2014 folgte der Roman „Schlafgänger“. Ihre Texte wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, für die Bühne adaptiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung des Wirtschaftsclubs im Literaturhaus Stuttgart

Livestreamticket: 5,- €
Als wär das Leben so - Rainer Moritz
Buchpremiere
Lesung und Gespräch
Moderation: Kathrin Schumacher

In einer zurückgenommenen und klaren Sprache erzählt Rainer Moritz von Lisa – eine Hommage an ein Leben, das augenscheinlich kein besonders auffallendes zu sein scheint oder sich lautstark abzuheben sucht. Zugleich lässt gerade die zurückhaltende Erzählhaltung eine Eigensinnigkeit und Unabhängigkeit der Figur zu, die beeindruckt. Und durch die Erzähldistanz scheint eine besondere Wärme und Anteilnahme auf, ein Frauenportrait, gezeichnet in stiller Melancholie. Lisa lebt allein, einsam aber ist sie nicht. Sie arbeitet erst als Buchhändlerin, später in einem Hamburger Zeitungsverlag. Den einen Mann an ihrer Seite, den gibt es nicht und den ersehnt sie auch nicht. Und der Mann, der schlussendlich in regelmäßigen Abständen auftaucht und in diesem sehr eigenen Nähe- und Distanzverhältnis an ihrer Seite bleibt, ist für sie richtig. Bis ihr irgendwann das Leben einen Strich durch die Rechnung macht. Rainer Moritz, 1958 in Heilbronn geboren, ist als Tausendsassa im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt: Fußballschiedsrichter, Lektor bei Reclam Leipzig, Programmgeschäftsführer bei Hoffmann und Campe und seit 2005 Leiter des Hamburger Literaturhauses. Als Literaturkritiker tritt er ebenso in Erscheinung wie als Autor zahlreicher Bücher über Fußball, Schlager, Pariser Parks oder auch über Richard Yates. 2018 erschien „Mein Vater, die Dinge und der Tod“, ein Porträt seines verstorbenen Vaters.
Nachtgestalten - Jaroslav Rudiš und Nicolas Mahler
Comicpremiere
Moderation: Andreas Platthaus

„Nachtgestalten“, so der Titel des ersten gemeinsamen Projektes des tschechischen Schriftstellers Jaroslav Rudiš und des österreichischen Comiczeichners Nicolas Mahler, das in Stuttgart seine Premiere feiert. Eine Nacht, eine Stadt und zwei Freunde, die wissen, dass es nichts Größeres gibt als die Wahrheit des Moments, in dem die Kneipe schließt. Von Bier zu Bier und von Geschichte zu Geschichte treibend erzählen zwei Nachtgestalten scharfsinnig, klug und mit subversivem Witz von der Tragik der Liebe, dem Wahnsinn des Lebens und den Spuren der Geschichte. Dem Tandemprojekt „Nachtgestalten“, erschienen im Luchterhand Verlag, liegt dabei eine jahrelange Künstlerfreundschaft zugrunde: Nachdem Jaroslav Rudiš 2015 die Laudation auf Nicolas Mahler anlässlich der Verleihung des Preises der Literaturhäuser in Stuttgart hielt, revanchierte sich Nicolas Mahler mit einer gezeichneten Laudatio im Literaturhaus Wien, als Rudiš 2018 ebenfalls mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Rudiš ist nicht nur über seine Buchvorstellungen, sondern auch mit seinen Auftritten der Kafka-Band, die er gemeinsam mit dem Comiczeichner Jaromír 99 ins Leben gerufen hat, regelmäßiger Gast im Literaturhaus Stuttgart. Rudiš und Mahler wurden für ihr Werk vielfach ausgezeichnet; von Mahler erschien 2020 die Comic-Interpretation »Ulysses« und 2021 „Thomas Bernhard – Die unkorrekte Biographie“ im Suhrkamp Verlag.
Gesang für die Verlorenen - Hemley Boum
Nachholtermin
Lesung und Gespräch
Moderation: Annette Bühler-Dietrich
Deutsche Lesung: Marit Beyer

Gesang für die Verlorenen. Kamerun Ende der 50er Jahre. Nach langer Kolonialherrschaft regt sich der Geist des Widerstands, doch die friedliche Unabhängigkeitsbewegung UPC wird von der Kolonialverwaltung gewaltsam unterdrückt und in den Untergrund gezwungen. Kopf der Bewegung ist der charismatische Ruben Um Nyobe, die einzige historische Figur im narrativen Spiel von Hemley Boum. Um ihn herum erfindet sie ein Geflecht von Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die durch Familie, Liebe, Leidenschaft und ihre politischen Ziele verbunden sind. Durch zahlreiche Rückblenden weitet die Autorin das Romangeschehen zu einer Familiensaga über das Leben von fünf Generationen aus. Spannend und mit Präzision erzählt die Autorin vom Kampf der Protagonistin, und wie in einer griechischen Tragödie stellt sie sie vor Entscheidungen mit irreversiblen Konsequenzen. Im Gedächtnis bleiben besonders die tief ausgeloteten weiblichen Figuren des Romans, die neben ihrem politischen Engagement mit beeindruckender Stärke um ein freies Leben als Frau in einer gerechten Gesellschaft kämpfen. Hemley Boum, geboren 1973 in Duala/Kamerun, studierte Sozialwissenschaften in Yaoundé und Internationalen Handel in Lille/Frankreich. Ihr Roman Si d’animer stand auf der Shortlist für den Ahmadou-Kourouma-Preis 2013. Gesang für die Verlorenen (frz.: Les Maquisards) wurde mit dem Grand Prix littéraire d’Afrique Noire 2015 ausgezeichnet. Auf Deutsch ist der Roman 2018 in der Übersetzung von Gudrun und Otto Honke im Peter Hammer Verlag erschienen.


Eine gemeinsame Veranstaltung des Literaturhauses Stuttgart, des Institut Français Stuttgart und des Institut Français Mannheim im Rahmen der Französischen Wochen 2020/2021
Adas Raum - Sharon Dodua Otoo
Lesung und Gespräch
Moderation: Insa Wilke

"Wie können wir auf Allianzen bauen und zu einem Verständnis kommen, das der Komplexität von Erinnerung und Mahnung gerecht wird? Ich begreife meine Arbeit als Teil eines solchen Austausches. Erst durch die Rezeption wird das, was ich schreibe, zur Literatur. Vorher ist es bestenfalls ein Monolog, und ich möchte mit meinem Schreiben auf gesellschaftliche Missstände hinweisen. Dafür brauche ich Verbündete.“ Sharon Dodua Otoo

Mit „Adas Raum“ legt die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo ihren ersten Roman vor. Dabei ist Ada nicht eine, sondern viele Frauen: Die Geschichte von Ada erstreckt sich über Jahrhunderte, und ihre Reise berührt die verschiedensten Lebenswelten: 1459 ist Ada Mutter im westafrikanischen Totope, 1848 wird sie in London Computer-Pionierin, 1945 zur Prostituierten in einem KZ. Und 2019 ist sie eine junge Schwangere auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Sie alle sind Ada, eine Ada in stetiger Verwandlung begriffen. In einer bildreichen Sprache und mit erzählerischer Kraft, Empathie und mit Humor zeichnet Sharon Dodua Otoo in ihrem Roman »Adas Raum« ein überraschendes Bild davon, was es bedeutet, eine Frau zu sein – und lädt uns ein, Perspektiven und Erfahrungen neu zu denken und zu bewerten. Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren und lebt heute als Autorin und politische Aktivistin in Berlin. Sie schreibt Prosa und Essays; ihre ersten Novellen „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ und „Synchronicity“ erschienen zuletzt 2017 im S. Fischer Verlag. Mit dem Text „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2020 hielt sie eben dort die Klagenfurter Rede zur Literatur „Dürfen Schwarze Blumen Malen?“
Am siebten Tag flog ich zurück - Arnold Stadler
Festival der Sehnsucht. Recherche über ein starkes Gefühl / Nachholtermin
Buchpremiere
Moderation: Christoph Schröder

„Die Sehnsucht war damals meine Zukunft, so wie die Vergangenheit nun mein Heimweh ist.“
Arnold Stadler

Lässt Glück sich erreichen? Oder stehen unsere Sehnsüchte seiner Erfüllung im Wege? In welchem
Spannungsverhältnis stehen Sehnsucht und die Erinnerung an nicht gelebte Möglichkeiten? Arnold
Stadler lotet in seinem Werk wie kaum ein anderer deutschsprachiger Schriftsteller die Abgründe
unserer Sehnsüchte aus. Zum Nachholtermin des Sehnsuchtsfestivals kommt er mit seinem neuen Text „Am siebten Tag flog ich zurück“ zur Buchpremiere ins Literaturhaus. Der Ich-Erzähler reist zum Kilimandscharo. Eine Reportage soll er schreiben, aber er hat Angst vor wilden Tieren, und es genügt ihm nun doch ganz und gar, den wunderbaren Berg einfach nur anzuschauen, der als Ölgemälde in der elterlichen Wohnstube hing und seither sein Sehnsuchtsziel war. Die Reise nach Afrika wird für den Erzähler zu einer tragikomischen Tour durch deutsche Gegenwart, koloniale Vergangenheit und touristische Träume und ist zugleich ein poetisches Plädoyer, in einer sich wandelnden Welt das eigene Ich zu erhalten – und auf dem Glück zu bestehen.

In Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.