Mittwoch, 15.01.2020
um 19:30 Uhr

Literaturhaus Hamburg
Schwanenwik 38
22087 Hamburg






Literatursoiree
Lothar Müller trifft Angela Steidele. Ein Gespräch

Wo Monat für Monat Autorinnen und Autoren ihre Neuerscheinungen präsentieren und wo leidenschaftlich über aktuelle Strömungen der Literatur debattiert wird, da tut es mitunter gut, sich aus dem immer schneller rotierenden Literaturbetrieb zu entfernen und über ästhetische Fragen nachzudenken. Schriftsteller treten bei der »Literatursoiree« auf die Bühne, um die Grundfragen der Literatur in ein neues Licht zu rücken und aus ihrer Werkstatt zu berichten.

Moderator ist der Literaturkritiker und Autor Lothar Müller, der als Feuilletonredakteur der »Süddeutschen Zeitung« in Berlin arbeitet und zuletzt die Studie »Freuds Dinge« vorgelegt hat. Sein Gast im Januar ist die 1968 in Bruchsal geborene Angela Steidele, die mit Werken wie »Geschichte einer Liebe« und »Rosenstengel« viel Aufmerksamkeit erfuhr und 2015 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Zuletzt legte sie, wieder bei Matthes & Seitz, die kleine Abhandlung »Poetik der Biographie« vor – ein guter Anlass, mit der Autorin über ihre Bücher und deren ästhetische Hintergründe zu reden.

Mit freundlicher Unterstützung der Alfred Töpfer Stiftung F.V.S.

Einlass: 18:30 Uhr

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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Ein Ernst-Barlach-Abend
Ein Ernst-Barlach-Abend
Charly Hübner, Ingo Schulze und Holger Helbig lesen und loben Barlachs Briefe

»Bin und bleibe, der ich war, Ernst Barlach«

Am 2. Januar 2020 jährt sich der Geburtstag des expressionistischen Bildhauers, Zeichners und Dramatikers Ernst Barlach (1870–1938) zum 150. Mal. Gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Holger Helbig präsentieren der Schauspieler Charly Hübner und der Schriftsteller Ingo Schulze – drei große Fürsprecher dieses Klassikers des 20. Jahr-hunderts – nun ein Großprojekt zum Barlach-Jubiläum: die kommentierte Neuausgabe sämtlicher Briefe Barlachs, die Mitte Dezember 2019 im Suhrkamp Verlag erscheint. Rund 2.200 Briefe aus 90 Archiven, Museen und privaten Sammlungen wurden dafür zusam-mengetragen; mehr als 500 werden erstmals veröffentlicht.

Mit den Briefen schrieb Barlach den Roman seines Lebens. Der Bogen reicht von Sinnsuche und Selbstaussprache über Künstlerwerdung und Meisterschaft bis hin zu Verzweiflung und politischer Verfolgung. Der hier schreibt, ist amüsanter Erzähler, begnadeter Satiriker, eigensinniger Beobachter und messerscharfer Kommentator seiner Zeit. Er ist belesen in vielen Literaturen und bewandert in der Kunst. Er ist feinfühlig und unbescheiden, neugierig und starrsinnig, er bittet und ignoriert. Der Leser begegnet einer vielstimmigen Persön-lichkeit.

Die Lesung gibt Kostproben aus den Briefen. Sie will Barlach nicht festlegen, sondern dazu einladen, einen fulminanten Autor zu entdecken.

Einlass: 18:00 Uhr

Die Veranstaltung ist restlos ausverkauft.
Jan Peter Bremer
Jan Peter Bremer
stellt seinen neuen Roman »Der junge Doktorand« vor

Alle paar Jahre legt der Berliner Jan Peter Bremer schmale Romane vor, die es in sich haben, von großer Komik sind und en passant Kluges und Gedankenreiches verbreiten. »Der junge Doktorand« (Berlin Verlag), Bremers jüngstes Kabinettstück, ist ein »raffinierter Künstlerroman« (Frankfurter Rundschau), der in die norddeutsche Provinz führt. Dort, in einer Wassermühle, leben der Maler Günter Greilach und seine Frau Natascha. Ersterer ist ein meist übellauniger Künstler, der es sich mit fast allen verscherzt hat und darunter leidet, dass die Welt die ihm fraglos zustehende Anerkennung konstant verweigert.

Doch noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Denn es kündet sich ein Mann namens Florian Sommer an, ein Doktorand, der, so scheint es, über einer bahnbrechenden Arbeit zu Greilachs Werk sitzt und der Misere ein Ende bereiten könnte. Neunmal hat der junge Wissenschaftler sein Kommen kurzfristig abgesagt, doch nun fährt er endlich vor, und alles scheint auf einen intensiven Austausch zwischen Künstler und Forscher hinzudeuten.

Dass das alles vielleicht ein großes Missverständnis ist und dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick aussieht, davon erzählt dieser Ehehöllenkünstlerroman, der bisweilen so klingt, »als habe man Thomas Bernhard mit Loriot gekreuzt« (Deutschlandfunk Kultur), auf sehr vergnügliche Weise.

Moderation: Carsten Otte

Einlass: 18:30 Uhr
Philosophisches Café
Philosophisches Café
Wahre Helden – wie man sie erkennt und warum wir sie brauchen
Zu Gast: Dieter Thomä

Die Demokratie steckt in einer schweren Krise. Wie kann diese bewältigt werden? Passt die Sehnsucht nach Lichtgestalten noch in unser aufgeklärtes Weltbild? Ja, sagt Dieter Thomä in seinem Buch »Warum Demokratien Helden brauchen« (Ullstein). Er plädiert für einen zeitgemäßen Heroismus, und er hält eine Demokratie, in der alle gleich sind, für leblos. Aktuelle Entwicklungen zeigen einen anderen Weg: Lokalpolitiker begeben sich in Gefahr, um unsere Freiheitsrechte zu verteidigen. Klimaaktivistinnen kämpfen für eine lebenswerte Zukunft. Thomä erklärt, warum heute Menschen gefragt sind, die über sich hinauswachsen, die konstruktiv stören und das Heldentum nicht denen überlassen, die autoritär oder fundamentalistisch denken. In der Suche nach den richtigen Helden und Heldinnen – sowie im Streit um sie – schärft eine demokratische Gesellschaft ihr Profil.

Dieter Thomä, geboren 1959, ist Professor für Philosophie an der Universität St. Gallen. Er war unter anderem Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und am Institute for Advanced Study in Princeton sowie Gastprofessor an der Brown University/USA. Er schreibt regelmäßig für die »FAZ« und andere Zeitungen und Zeitschriften. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen unter anderem »Puer robustus. Eine Philosophie des Störenfrieds« und »Väter. Eine moderne Heldengeschichte«.

Moderation: Wolfram Eilenberger

Einlass: 18:00 Uhr
Hermann Peter Piwitt
Hermann Peter Piwitt
Zum 85. Geburtstag gratulieren Freunde und Weggefährten Hermann Peter Piwitt und lesen aus seinem Werk

Hermann Peter Piwitt hört sehr genau zu, sieht noch genauer hin und teilt seine präzisen Beobachtungen mit der überraschten, ertappten und amüsierten Leserschaft. Er trifft die Leute, von denen er erzählt, auf der Straße, auf Parkbänken oder in der Kneipe. Ob Nachbarn oder Unbekannte – im Handumdrehen sind sie lebendig.

1935 in Wohldorf bei Hamburg geboren, wächst Piwitt in Hamburg und Frankfurt am Main auf. Nach seinem Studium in Frankfurt am Main, München und Berlin, unter anderem bei Theodor W. Adorno und Walter Höllerer, beginnt er mit dem Schreiben und der Arbeit als Kritiker für alle großen deutschsprachigen Tages- und Wochenzeitungen und Magazine. Seit 1965 veröffentlicht er zahlreiche und vieldiskutierte Romane, Erzählungen sowie Essays, für die er unter anderem mit dem Preis der Jungen Generation (1968) und dem Stipendium der Villa Massimo (1971/72) ausgezeichnet wurde.

Piwitt blickt als Autor zurück und voraus, zuweilen wehmütig, aber ungebremst angriffslustig. Zuletzt erschienen sind der Erzählband »Drei Freunde« (2017) und als Neuauflage seine Prosaminiaturen »Ein unversöhnlich sanftes Ende« (2018) im Wallstein Verlag.

Am Tag seines 85. Geburtstages gratulieren Freunde und Weggefährten – Thorsten Ahrend, Volker Hage, Sabine Peters, Hendrik Rost und Thedel von Wallmoden – dem Hamburger Autor und lesen aus seinem Werk.

Einlass: 18:30 Uhr
David Wagner
David Wagner
liest aus seinem neuen Buch »Der vergessliche Riese«

Immer wieder erzählt der Vater seine Liebesgeschichten. Er benötigt Betreuung und wird sein Haus verlassen müssen, denn immer wieder vergisst er, was kurz zuvor geschah. Die Familie erlebt einen Rollenwechsel: Der Vater ist wieder Kind geworden.

David Wagner nimmt sich in »Der vergessliche Riese« (Rowohlt) eines Themas an, das immer mehr Menschen betrifft. Er zeigt einen Vater, der nur noch in der Gegenwart lebt und dessen Persönlichkeit langsam schwindet, und der doch in all seinen liebenswerten Eigenheiten und verbleibenden Erinnerungen unverwechselbar bleibt. Die Geduld und Zärtlichkeit, die der Erzähler bei seinen Besuchen beim Vater und zahlreichen gemeinsamen Autofahrten zu Orten der Vergangenheit aufbringt, berühren tief. Ohne Hadern und Wut begegnet er der fortschreitenden Demenz und der Vater ist glücklich, obwohl er weiß, was mit ihm geschieht.

David Wagner, 1971 geboren, debütierte mit dem Roman »Meine nachtblaue Hose«. Es folgten weitere Publikationen, wie der Roman »Vier Äpfel«, der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. 2013 wurde ihm für sein Buch »Leben« der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen, 2014 erhielt er den Kranichsteiner Literaturpreis und war zudem erster Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor für Weltliteratur an der Universität Bern.

Moderation: Katrin Schumacher

Kulturpartner NDR Kultur

Einlass: 18:30 Uhr