Peng Peng Parker - Nora Gomringer und Philipp Scholz

Montag, 25.03.2019 um 19:30 Uhr



Tickets
ab 15,00 €




Lesung & Konzert

Dorothy Parker war eine vielschichtige Frau: Dich¬terin, Geliebte, Werbetexterin und Oscar-Nominee. Niemand hat so seufzend, so verlachend über die Liebe und das Rangeln zwischen den Geschlechtern geschrieben wie sie und uns dabei gleichzeitig Karikaturen und fein linierte Portraits der Boulevardlöwen und -löwinnen ihrer Zeit hinterlassen, mal zart und mal hart. Ein New York der 1920er Jahre ohne diese Ikone ist undenkbar. Aus der Fülle von Parkers Spott-, Humor- und Liebesgedichten für Kollegen, Hunde und Männer haben Gomringer & Scholz erstaunliche Songs geschaffen. Melodiös und rhythmisch, witzig und eigen weicht das Duo jenes Schwarzweiß alter Fotos und klingender Pianotasten auf zu Melodien, die schon lange zwischen den Zeilen stehen. Das englische Original wie auch die wunderbaren Übersetzungen durch Ulrich Blumenbach – »Denn mein Herz ist frisch gebrochen«, Dörlemann Verlag 2017 – werden dabei zu gleichen Teilen erklingen. Zuletzt erschien von Nora Gomringer der Band "Mein Gedicht fragt nicht lange reloaded" (2015). Für das Goethe Institut und Pro Helvetia reist sie um die (Literatur-)Welt; sie war Poetikdozentin an den Universitäten Koblenz-Landau, Sheffield und Kiel und erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015. Philipp Scholz, geboren 1990, ist Jazz-Schlagzeuger und lebt in Leipzig. Er spielt in zahlreichen Bands und Formationen, mit denen er mehrfach ausgezeichnet wurde, zuletzt gewann seine Band PLOT den Jungen Münchner Jazzpreis 2014.

Eintritt: 15,-/12,-/7,50 Euro

weitere Termine

Solidarität - Heinz Bude
Lesung und Gespräch

„Der Schritt zurück ins Leben verlangt die Befreiung vom Selbsthass und vom Hass auf die Anderen.“ Achilles Mbembe

„Mbembe lässt keinen Zweifel, dass nur die kommende Solidarität einer neuen Welt die gegeneinanderstehenden Solidaritäten der alten Welt auflösen kann. Dem Norden wie dem Süden bleibt die Einsicht, dass die eine Welt die einzige Welt ist, die wir haben“, schreibt der Soziologe Heinz Bude in seinem neuen Buch „Solidarität“. Solidarität war einmal ein starkes Wort; es geriet in Verruf, als jeder für sein Glück und seine Not selbst verantwortlich gemacht wurde. Heute sind Gesellschaften tiefer denn je zwischen Arm und Reich gespalten. Wir sollten uns hingegen, so Bude, nicht damit begnügen, materielle Not zu lindern, sondern im Anderen vielmehr uns selbst als Mensch erkennen. Die Erfahrung von Solidarität stellt dabei vielmehr die Frage: Wofür lohnt es sich zu leben? Und die Richtung einer Antwort kommt mit Albert Camus gesprochen aus dem Dasein selbst, das sich nicht im Bemühen um Selbstvervollkommnung, sondern vielmehr im Empfinden einer Weltbezogenheit gegenwärtig wird. Heinz Bude lebt in Berlin und ist Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel. 1997-2015 leitete er den Bereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Zuletzt erschien „Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen“ (2016) und „Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968“ (2018).

Außer Haus: Bildungszentrum Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart
In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart
Region und Welt - Hermann Bausinger, Sandra Richter und Denis Scheck
Lesung und Gespräch

Der neue Riss durch die Gesellschaft verlaufe nicht mehr zwischen Arm und Reich, sondern zwischen den städtischen Metropolen und dem Rest des Landes, analysiert der bedeutende Ökonom Paul Collier in seiner jüngsten Studie. Und es ist just dieser „Rest des Landes“, dem schon immer Hermann Bausingers besondere Aufmerksamkeit und Forscherneugierde als Kulturwissenschaftler galt. Als Professor für Empirische Kulturwissenschaft gehört die Alltagskulturforschung und die ihr innewohnende Achtsamkeit vor der Provinz zu seinen Schwerpunkten, üppig angereichert durch beglückende Bücher wie seine "Schwäbische Literaturgeschichte" (2017). Der ehemalige Direktor des Ludwig-Uhland-Instituts Tübingen gilt als einer der führenden Köpfe der deutschen Nachkriegsvolkskunde, die beteiligt waren an der programmatischen Wende hin zu einer empirischen Kulturwissenschaft. Mit ihm ins Gespräch kommen Sandra Richter, Direktorin des Literaturarchivs Marbach, und der Fernsehliteraturkritiker Denis Scheck in der Literaturhausreihe "Das gute Buch". Bausingers Arbeiten (2 auswählen für den Abend) werden zwei weitere Bücher zur Seite gestellt, die sich zu Region und Welt ins Verhältnis setzen: In „Meine europäische Familie“ bringt die schwedische Autorin Kirsten Bojs ihre LeserInnen auf die Spur der Vorfahren. Und der amerikanische Intellektuelle, Journalist und Kritiker Daniel Mendelsohn wiederum entwickelt in seinem Roman „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich“ auf den Spuren des homerischen Epos eine berührende Vater-Sohn-Geschichte über Familie, Identität und Heimat.
Kafkas letzter Prozess - Benjamin Balint und Ulrich von Bülow
Lesung und Gespräch
Moderation: Anat Feinberg

Der berühmteste Koffer der Literaturgeschichte hätte es beinahe nicht geschafft. Max Brod hatte ihn bei sich, als er 1939 mit dem letzten Zug von Prag nach Palästina floh. Im Koffer: Manuskripte, Notate, Kritzeleien seines Freundes Franz Kafka. Heute befindet sich Kafkas Nachlass zum allergrößten Teil in Oxford. Jahrzehnte später entsponn sich um einige Autographen Kafkas, die in Brods Besitz geblieben waren, ein Gerichtskrimi, der erst 2016 ein Ende fand. Vordergründig wurde über den Nachlass von Max Brod entschieden, doch standen noch ganz andere Fragen im Raum: War Kafka vor allem ein jüdischer Autor? Wo ist sein Erbe richtig aufgehoben? In Israel? Oder in jenem Land, in dessen Namen Kafkas Familie einst ausgelöscht wurde? Eine Geschichte, die nicht nur zeigt, weshalb die Frage, wem Kafka gehört, zum Glück nie entschieden werden kann. Benjamin Balint, geboren 1976 in den USA, lebt als Autor und Übersetzer aus dem Hebräischen in Jerusalem. Seine Kritiken und Essays erscheinen u.a. in DIE ZEIT, Wall Street Journal, Ha’aretz und Weekly Standard. »Kafkas letzter Prozess« ist seine erste Buchveröffentlichung auf Deutsch, übersetzt von Anne Emmert. In der Moderation von Anat Feinberg, Professorin an der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg, kommt er ins Gespräch mit Ulrich Bülow, Leiter der Abteilung Archiv im Deutschen Literaturarchiv Marbach, zuständig unter anderem für Erwerbungen.

In Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv Marbach

Eintritt: 10,-/8,-/5,- €
Frühlingsfest im Literaturhaus - Hanns Zischler und das Quintett des „Dichtungsrings“
Mit Texten von Marina Zwetajewa, W.H. Auden, Emily Dickinson, Ernst Jandl, Christian Morgenstern und anderen
Am Flügel: Lambert Bumiller
Grußwort: Oberbürgermeister Fritz Kuhn

Boden, Decke, Bühne, Lüftung, Licht und Ton – im Rhythmus der Worte schwingt die frohe Botschaft bereits mit: Die Saalrenovierung im Stuttgarter Literaturhaus ist beendet. Es sprießen die Texte und wachsen die Bücher in den Saal hinein, auf dem Weg in unsere Köpfe und Herzen. Zeit für ein Frühlingsfest! Stoßen Sie mit uns an und freuen Sie sich auf einen Abend mit Hanns Zischler, dem Dichtungsring-Quintett und Lambert Bumiller am Flügel. Der vielfach ausgezeichnete Autor und Schauspieler Hanns Zischler hat mit Größen wie Wim Wenders und Steven Spielberg gedreht, Jean-Luc Godard nannte ihn gleich den "Gentleman Actor". Für das Stuttgarter Literaturhaus hat er diesen Abend komponiert und bringt ein Sprecher*innen-Ensemble mit, von der Schauspielerin Johanna Polley als „Dichtungsring“ getauft. Zusammen mit dem Ensemble wird er nach seinen Partituren Gedichte von Marina Zwetajewa, W.H. Auden, Emily Dickinson, Ernst Jandl und Christian Morgenstern chorisch sprechen und poetische Räume öffnen. Und gemeinsam mit dem Pianisten Lambert Bumiller am Flügel deklamiert Hanns Zischler im Anschluss das Melodram „The Raven“ von Arthur Bergh (1914), nach dem Gedicht von Edgar Allen Poe.

Eintritt: Euro 10,-/8,-/Mitglieder frei

ausverkauft, evtl. Restkarten an der Abendkasse
Babel - Kenah Cusanit
Lesung und Gespräch
Moderation: Julia Schröder

„Es war ein mesopotamisches Gelb. Wie gemacht zum Davorstehen, Hinsehen, Aquarellieren – seine Lieblingsart, diese Gegend zu kartieren. Schlamm als Impression, Lehm, der sich durch das Wasser bewegte, indem er sich drehte.“ Kenah Cusanit

Mit diesem mesopotamischen Gelb holt uns Kenah Cusanit in ihr beeindruckendes Debüt „Babel“. 1913, unweit von Bagdad, leidet der Archäologe Robert Koldewey ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, doch nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: er soll Babylon ausgraben. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Wie ein Getriebener dokumentiert Koldewey deshalb die mesopotamischen Schätze am Euphrat. „Tatsächlich fiel mir erst bei einem Besuch im Pergamonmuseum auf, dass man zwar viel über die altorientalischen Kulturen erfährt, aber kaum etwas darüber, unter welchen Umständen deren Zeugnisse überhaupt nach Berlin gelangt sind“, sagt Cusanit. „Es war also eher eine Erkenntnis, die zum Schreiben geführt hat – die Auswirkungen der Hegemonieansprüche auf andere Kulturen und deren materielle Aneignung.“ Wie Koldewey geboren im Harz, in Blankenburg, lebt Kenah Cusanit heute in Berlin. Für ihre Essays und Gedichte wurde die Altorientalistin und Ethnologin bereits mehrfach ausgezeichnet.
Abhandengekommene Gewissheiten / Fotografische Positionen
Vom 23. Mai bis zum 28. Juni zeigt das Institut francais Stuttgart „Certainties are Suspended“ (Abhandengekommene Gewissheiten), eine Ausstellung, deren Fokus auf vier spannenden afrikanischen und afrodiasporischen Künstler*innen liegt. Im Rahmen des Festivals „Membrane: African Literatures and Ideas“ präsentiert die Ausstellung neuere Foto- und experimentelle Videoarbeiten von Lola Keyezua, Samira Messner, Fabrice Monteiro und Nicolas Premier. Die multimedialen, über dokumentarische Zuschreibungen hinausgehenden Arbeiten setzen sich mit Geschichte, Affekt, Gegenwärtigkeit und der fortwahrenden Produktion von Zukunftsentwürfen auseinander: Aspekte, die das Wesen einer jeden Gesellschaft ausmachen. Dabei protokollieren, erweitern und ergründen sie Lebensrealitäten, die sich einfachen Gewissheiten entziehen und zu einem zweiten Blick auffordern.
From May 23 through June 28 2019, the Institut francais Stuttgart presents “Certainties are Suspended”, an exhibition focusing on four exciting African and Afrodiasporic artists. In the context of the festival “Membrane: African Literatures and Ideas”, the exhibition presents recent photographic and experimental video work by Lola Keyezua, Samira Messner, Fabrice Monteiro and Nicolas Premier. The multimedia work on show transcends the purely documentary, engaging with history, affect, presence and the dynamic production of future(s): the aspects that constitute the essence of any society. The works document, expand and investigate realities that elude simple certainties and demand a second look.
Offene Gesprächsrunden / Roundtable Discussions
Das Gespräch findet in Englisch statt.
The roundtable will be conducted in English.

organisiert von organized by Sam Okoth Opondo

Gesprächsthemen Topics

Politische Durchlässigkeiten
Political Porosities/Permeabilities
Beiträge zu dieser Gesprächsrunde befassen sich mit den „politischen Löchern“ und Membranen sowie mit Formen der Auswahl und Trennung, die darüber entscheiden, welcher Bewegungsspielraum afrikanischen Lebewesen und Dingen weltweit eingeräumt wird. Die Teilnehmer*innen beschäftigen sich mit dem Im-Fluss-Sein Afrikas, mit Körpern sowie mit Machtstrukturen und Formen von Wissen, Sprache und Reinheit/Reinigung, die Gemeinschaft, Immunität und Überfluss hervorbringen.
Contributions to this roundtable session reflect on the “political holes”, membranes, and degrees of selectivity and separation that determine how African beings and things flow on a planetary scale. The panelists reflect on African flux, bodies, and the forces and forms of knowledge, language, and purity/purification that generate a sense or domains of community, immunity, and superfluity.

Synthetik/Ästhetik
Synthetics/Aesthetics
Diese Gesprächsrunde über die Erfindung Afrikas und afrikanische Erfindungen denkt über neue Schwellen, Fiktionen und Künstlichkeiten nach. Neue Beziehungen sowie Ideen von Körpern, Wissen, Grenzen, das Verhältnis von Innen und Außen und das Im-Fluss-Sein Afrikas stehen im Zentrum.
Reflecting on the invention of Africa, and African inventions, this roundtable session speculates on new thresholds, fictions, and artifices. The panelists propose new relationalities, conceptions of bodies, knowledges, borders, ideas of inside/outside, and African flux.

Verteilungsprozesse
Distributions
Membrane ermöglichen Verteilungs- und Teilungsprozesse. Diese Gesprächsrunde beleuchtet Dynamiken der Vermittlung, der Produktion, Restitution und der Rückkehr und Rückgabe, indem es über Fragen der Distribution und deren Bedeutung für die Neureflexion und Neugestaltung Afrikas nachdenkt. Im Zentrum steht dabei die Rolle von Verlagen, Print- und Onlinemedien für die Verbreitung und Vermittlung afrikanischer Literaturen.
Panel #2 Transafrikanische Membrane. Durchlässigkeit. Verschwommene Zugehörigkeiten
Moderatorin Chair: Sheila Ochugboju

In der Konstruktion von Identität und Zugehörigkeit überdauern bis heute zweifelhafte Annahmen und Kategorisierungen. Die Vorstellung von Identitäten, besonders wenn es um Afrika geht, stammen noch immer aus der Zeit des kolonialen Wahnsinns und der Ausbeutung und waren Mittel der Rechtfertigung dieses Exzesses. Dass die Welt und die Menschen sich die vorgefertigten Rassekategorien aneignen, wird sehr selten in Frage gestellt. Gemeinhin nimmt man an, dass Afrikaner*in zu sein automatisch heißt „schwarz“ zu sein, was auch immer das bedeuten mag. Dies führte zu so unlogischen Konstruktionen wie dem Begriff vom „Sub-Sahara Afrika“, der die Überlegungen, wo Afrika beginnt und endet, prägte. Was bedeutet das aber in einer Welt der Vielfalt, der verschwommenen Zugehörigkeiten und Identitäten? Was bedeutet es, Mensch und Afrikaner*in zu sein angesichts des Zustands der Welt heute und ihrer Suche nach tragfähigen Grundlagen, auf denen sich die Zukunft vorstellen lasst?

Transafrican Membranes. Porosity. Blurred Belongings
In the construction of identity and belonging certain assumptions and categorisations persist. The imagination of these identities, particularly as these reflect on Africa, were mostly derived from a season of colonial insanity and parasitism on others that needed to justify its excesses. The demand that the world and its people situate themselves within, especially, the preassigned racial categories is very rarely questioned. The presumption that to be African is to necessarily be “black”, whatever that means, has meant that illogical constructions such as “Sub-Saharan Africa” become integrated into the imagination of who and where Africa starts and ends. What does this mean in a world of multiplicities, of blurred belonging and identity? Given the state of the world today, and its quest for a foundation upon which to imagine a future, what does it mean to be human and African.
Panel #1 Afrika Optik
Moderatorin: Sieglinde Geisel

Afrika Optik befasst sich schonungslos mit der Frage, warum sich in den westlichen Medien Narrative und visuelle Darstellungen Afrikas hartnäckig halten, die in der problematischen, noch immer lebendigen kolonialen Vergangenheit verankert sind. Woraus genau speist sich diese oberflächliche Vorstellungswelt? Wer profitiert davon? Gibt es eine bislang unerforschte kollektive Psychose, die einfordert, dass die Idee Afrikas auf eine bestimmte Art fortbesteht? Soll eine Illusion aufrechterhalten werden, die es den Produzenten dieser Bilder und Narrative erlaubt, sich überlegen zu fühlen? Wessen Aufgabe ist es, die Öffentlichkeit über die komplexen Realitäten in den verschiedenen Räumen Afrikas, auch in Räumen in anderen Teilen der Welt zu informieren? Die Medien sind Mittel und Fenster, durch das die Welt nicht nur ein Verständnis ihres eigenen Wesens und ihrer eigenen Identität gewinnt, sondern auch des Wesens und der Identität der anderen. Statt der Suche nach Genauigkeit und Wahrheit bestimmen vielmehr verschiedene Interessenlagen die Berichterstattung der Medien. Was können wir angesichts dieser Situation andern, um ein realistischeres, angemesseneres Narrativ und Bild Afrikas zu vermitteln?

Africa Optics
In Africa Optics, we bring to the table what we hope will be a brutally honest exploration of why, certainly among the western media, there is a stubbornly persistent narrative and visual representation of an Africa that mostly exists in the troubled but vivid imagination residing in a colonial past. What informs the shallow imagining? Who gains? Is there an unexplored collective psychosis that requires that the idea of Africa persist in one particular way in order to sustain a specific illusion that the story and image creators require in order to feel themselves superior in the world? Whose task is it to keep the audiences informed of complex realities in the variety of spaces of Africa, including those in other parts of the world? Since the media are the means and window through which the world gains an understanding of the character and identity of not only themselves, but those of others, given the assorted private interests that inform media choices, rather than the quest for accuracy or truth, what can possibly change in delivering a far more realistic narrative and image of Africa?
Offene Gesprächsrunden / Roundtable Discussions
Das Gespräch findet in Englisch statt.
The roundtable will be conducted in English.

organisiert von organized by Sam Okoth Opondo

Gesprächsthemen Topics

Politische Durchlässigkeiten
Political Porosities/Permeabilities
Beiträge zu dieser Gesprächsrunde befassen sich mit den „politischen Löchern“ und Membranen sowie mit Formen der Auswahl und Trennung, die darüber entscheiden, welcher Bewegungsspielraum afrikanischen Lebewesen und Dingen weltweit eingeräumt wird. Die Teilnehmer*innen beschäftigen sich mit dem Im-Fluss-Sein Afrikas, mit Körpern sowie mit Machtstrukturen und Formen von Wissen, Sprache und Reinheit/Reinigung, die Gemeinschaft, Immunität und Überfluss hervorbringen.
Contributions to this roundtable session reflect on the “political holes”, membranes, and degrees of selectivity and separation that determine how African beings and things flow on a planetary scale. The panelists reflect on African flux, bodies, and the forces and forms of knowledge, language, and purity/purification that generate a sense or domains of community, immunity, and superfluity.

Synthetik/Ästhetik
Synthetics/Aesthetics
Diese Gesprächsrunde über die Erfindung Afrikas und afrikanische Erfindungen denkt über neue Schwellen, Fiktionen und Künstlichkeiten nach. Neue Beziehungen sowie Ideen von Körpern, Wissen, Grenzen, das Verhältnis von Innen und Außen und das Im-Fluss-Sein Afrikas stehen im Zentrum.
Reflecting on the invention of Africa, and African inventions, this roundtable session speculates on new thresholds, fictions, and artifices. The panelists propose new relationalities, conceptions of bodies, knowledges, borders, ideas of inside/outside, and African flux.

Verteilungsprozesse
Distributions
Membrane ermöglichen Verteilungs- und Teilungsprozesse. Diese Gesprächsrunde beleuchtet Dynamiken der Vermittlung, der Produktion, Restitution und der Rückkehr und Rückgabe, indem es über Fragen der Distribution und deren Bedeutung für die Neureflexion und Neugestaltung Afrikas nachdenkt. Im Zentrum steht dabei die Rolle von Verlagen, Print- und Onlinemedien für die Verbreitung und Vermittlung afrikanischer Literaturen.
Panel #3 Virtuelle Realitäten, Künstliche Intelligenz und Digitales Leben: Afrika Prismen
Moderatorin Chair: Ainehi Edoro

Diese interdisziplinäre Begegnung lädt in High-Tech-Fragen und Prozesse involvierte Künstler*innen ein, über eine Reihe von Fragen zu Kreativität, Innovation, neuen Vorstellungswelten, Künsten und Medien zu reflektieren und zu diskutieren und dabei über einen virtuellen und imaginierten Zustand eines neuen afrikanischen Seins zu sprechen und diesen heraufzubeschwören. Was bedeuten Entwicklungen und Innovationen für entstehende afrikanische Identitäten? Welche neuen Beziehungen stellt man sich jenseits des Bekannten vor und welche Formen nehmen diese Beziehungen an? Dieses Panel lädt seine Teilnehmer*innen ein, mit dem Publikum eine Vorstellung Afrikas in der Welt, der Welt in Afrika und Afrikas Visionen für die Welt zu teilen, eine Vorstellung, die auf dem HEUTE basiert.

Virtual Realities, Artificial Intelligence and Digital Lives: Africa Prisms
This interdisciplinary encounter invites those who, among other things, interact with technology to reflect on, showcase and debate a range of issues linked to creativity, innovation, re-imaging, the arts and new media while speaking into and about a virtual and imagined state of new African being. What do the developments and innovations mean for emerging African identities? What new relationships are imagined outside that which has been assumed and what forms do these take? This panel invites its participants to share with audiences an imagination of Africa in the world, and the world in Africa, and Africa’s imagination for the world predicated on the NOW.
Träumst du von Terra-Zwei?
Einstieg ins Panel Virtual Realities

Temi Ohs beeindruckender Debutroman fragt nach unseren Visionen für die Zukunft: Wissenschaftler haben die Theorie von einem bewohnbaren Planeten in einem benachbarten Sonnensystem entwickelt. 100 Jahre später verlassen zehn Astronauten eine sterbende
Erde, um ihn zu finden: vier dekorierte Veteranen des Weltraum-Wettlaufs im 20. Jahrhundert und sechs Teenager, Absolventen der exklusiven Dalton Academy, die sich ihr Leben lang auf diese Mission vorbereitet haben, machen sich auf den Weg. Erst in 23 Jahren werden sie Terra-Zwei erreicht haben, 23 Jahre in Abgeschlossenheit und in denen keine Rettung möglich ist, falls etwas schief geht. Und etwas geht immer schief ...

Starting the Virtual Realities Panel
Do You Dream of Terra-Two?
A century ago, scientists theorised that a habitable planet existed in a nearby solar system. Today, ten astronauts will leave a dying Earth to find it. Four are decorated veterans of the 20th century’s space-race. And six are teenagers, graduates of the exclusive Dalton Academy, who’ve been in training for this mission for most of their lives. It will take the team twenty-three years to reach Terra-Two. Twenty-three years spent in close quarters. Twenty-three years with no one to rely on but each other. Twenty-three years with no rescue possible, should something go wrong. And something always goes wrong. Temi Oh’s first novel asks which visions of the future we share.
Was Sharon Dodua Otoo denkt, während sie höflich lächelt
2016 gewann die britische Schwarze Schriftstellerin und Aktivistin Sharon Dodua Otoo den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis für ihre Kurzgeschichte „Herr Gröttrup setzt sich hin“. Ihre Beiträge, Kommentare, Berichte und Rezensionen beschäftigen sich mit politischen Fragen des Feminismus, des Weißseins und mit Kultur- und Bildungsthemen. In der Novelle „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle …“ steht die Hauptfigur, eine ghanaisch-britische Doktorandin, Mutter von Zwillingen und mitten in ihrer Scheidung, vor dem Chaos, das sie in ihrem Leben angerichtet hat. Während sie ihre Rassismus-Erfahrungen dokumentiert, nähert sie sich langsam ihrem eigenen Moment versagter Solidarität. Unlängst erschien die Anthologie „Eure Heimat ist unser Albtraum“ (Carl Hanser Verlag 2019), an der auch Otoo mitwirkt. Im Gespräch mit ihr wird es um Fragen nach Zugehörigkeiten, Teilhabe und nach der Durchlässigkeit von Gesellschaften gehen.


Sharon Dodua Otoo’s Thoughts while Smiling Politely
Sharon Dodua Otoo, Black British writer and activist, won the prestigious Ingeborg-Bachmann prize in 2016. In her journalistic writings she discusses political issues such as feminism, whiteness, culture and education. Her novellas tell of life in Berlin. In “the things I am thinking while smiling politely…”, her main character, a Ghanaian-British doctoral student, mother of twins and in the middle of a divorce, has put her life in disarray. Documenting her own experiences of racism, she slowly approaches her own act of failed solidarity. Recently, Otoo took part in the anthology “Eure Heimat ist unser Albtraum” (Ullstein 2019). The conversation with her will question notions of home, strangeness and belonging and ask about the porosity of societies.
Die Dämmerung der Qual
“Crépuscule du tourment“ (Die Dämmerung der Qual) ist ein zweiteiliges Buchprojekt. Im ersten Buch (2016) richten vier Frauen ihre inneren Monologe an denselben Mann. Im Norden oder Suden lebend, ist ihnen allen eine geheime Wunde gemeinsam: eine ererbte quälende Identität und die Schwierigkeit, ihre Weiblichkeit zu leben. „Crépuscule II“ (2017) richtet den Blick auf diesen Mann, Amok, der vom Norden in den Süden zurückkehrt, weil er seinem Sohn die rassischen Zuschreibungen des Nordens ersparen will. Bei einem Autounfall verliert er das Bewusstsein; in diesem Zustand begegnet er spirituellen Kräften, die es ihm ermöglichen, sein Leben neu zu organisieren. Miano ist bekannt als scharfsinnige Diagnostikerin fortdauernder kolonialer Strukturen und deren Effekt auf postkoloniale Subjekte. In ihren Romanen wirft sie den fragenden Blick auf das, was als „afrikanische“ Identität und Sexualität verstanden wird.

The Twilight of Torment
Crépuscule du tourment
“Crépuscule du tourment” (The Twilight of Torment) is a book project in two parts. The first novel (2016) has four women, living in the North and the South, each tell their individual story, as interior monologues, to the same man. All women have a secret wound in common: an inherited torment of identity, a difficulty to live their femininity. The second novel (2017) focuses on the man, Amok, who moves from North to South with his son, because he wants to spare him the racial ascriptions of the North. A car accident makes him lose consciousness, and in this state, he encounters spiritual forces which, once restored, help him reorient his life. Miano, an astute and renowned diagnostician of the ongoing effects of the colonial past on postcolonial subjects, turns an interrogative gaze onto the meaning of an “African” identity
and sexuality.
Archäologie untergegangener Welten & Empfindsamkeiten - Christian Neef und Karl Schlögel & Jáchym Topol und Serhij Zhadan
Lesungen und Gespräche

19.00 - 20.00 Uhr
Archäologie untergegangener Welten
Christian Neef und Karl Schlögel
Der Spiegel-Korrespondent und Russlandkenner Christian Neef fächert in seinem neuen Buch »Der Trompeter von Sankt Petersburg« die Saga vor uns auf: Einst war Sankt Petersburg eine schillernde Metropole und fünftgrößte Stadt der Welt, in der auch viele deutsche Monarchen, Unternehmer und Künstler der Stadt an der Newa ihr Gesicht gaben. Mit der Revolution 1917 und Stalins Herrschaft fand diese Zeit ihr Ende. Neef erzählt die Geschichte der Stadt am Beispiel von vier Lebensgeschichten, unter anderem des Trompeters Oskar Böhme, der von Stalins Geheimpolizei erschossen wurde und der Familie des Schauspielers Armin Müller-Stahl. Mit ihm ins Gespräch kommt der Preisträger des Leipziger Buchpreises 2018 in der Kategorie Sachbuch, Karl Schlögel. Der große Osteuropa-Historiker lädt mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Jedes Imperium hat seinen Sound, seinen Rhythmus, der auch dann noch fortlebt, wenn das Reich aufgehört hat zu existieren. So entsteht, hundert Jahre nach der Revolution von 1917 und ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion, das Panorama eines einzigartigen Imperiums, ohne das wir »die Zeit danach«, in der wir heute leben,
nicht verstehen. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat das »Zeitalter der Extreme« seine Spur hinterlassen.

Kurze Pause


20.30 – 21.30 Uhr
Empfindsamkeiten
Jáchym Topol und Serhij Zhadan
Als »politischer Gegenwartsroman « wurde Jáchym Topols neuer Roman in Tschechien gefeiert, der nun unter dem Titel »Ein empfindsamer Mensch« in der Übersetzung von Eva Profousová auf Deutsch erschienen ist. Angesiedelt im Jahr 2015 nimmt er eine heutige Vermessung Europas vor und verknüpft sie mit Elementen einer Road-Novel, die ihn bis ins russisch-ukrainische Kriegsgebiet führt. Mit ihm spricht der große ukrainische Lyriker, Romanautor und Musiker Serhij Zhadan. Sein jüngster Roman »Internat« handelt ebenfalls vom russisch-ukrainischen Krieg und wurde 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (Übersetzung) ausgezeichnet, ins Deutsche übertragen von Sabine Stör und Juri Durkot. In eindringlichen Bildern erzählt Serhij Zhadan, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt: Ein junger Lehrer will seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat am anderen Ende der Stadt nach Hause holen; die Schule ist unter Beschuss geraten und bietet keine Sicherheit mehr. Aber durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammengebrochen ist, wird zur Prüfung. Jáchym Topol, 1962 in Prag geboren und Sohn des Dramatikers Josef Topol, war nicht nur der Star des literarischen und musikalischen Underground vor 1989 sondern ist auch heute noch der bekannteste tschechische Autor seiner Generation. Als Sechzehnjähriger unterzeichnete er die Charta 77, 1985 begründete er das Underground-Magazin »Revolver Revue«. Zwischen 1989 und 1991 bereiste er als Journalist Osteuropa. 1988 erschien in Samizdat sein erster Gedichtband »Ich liebe Dich bis zum Irrsinn«. Seinen auch internationalen Durchbruch als Schriftsteller hatte er mit dem Roman »Die Schwester«. Jáchym Topol lebt in Prag. Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägendsten Figuren ukrainischer Literaturlandschaft. Er debütierte als 17-Jähriger und publizierte zahlreiche Gedicht- und Prosa-bände. Für »Die Erfindung des Jazz im Donbass« wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet. Die BBC kürte das Werk zum »Buch des Jahrzehnts«. Serhiy Zhadan lebt in Charkiw.
Heimat - Nora Krug
Vortrag und Gespräch
Moderation: Anat Feinberg

"Ich hätte das Buch nie geschrieben, wenn ich nicht weggegangen wäre." Nora Krug

Die Arbeit an dem Buch hat sie sechs Jahre lang beschäftigt: zwei für die Recherche, zwei für die Geschichte, zwei für die Gestaltung. Sie selbst nennt das Buch ´graphic memoir´, gezeichnete Erinnerungen. Diese besondere Form macht es ihr möglich, "sich über die individuelle Graphik vom dokumentierten Schrecken der deutschen Zeitgeschichte zu lösen, diese zugleich aber zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen: zum Familienalbum, in dem das Zeichnen für Nora Krug ein Akt der Empathie ist, ohne sich jedoch Mythen oder Beschönigungen kritiklos auszuliefern", so Andreas Platthaus in der FAZ. So wird ihr ´graphic memoir´ zur Bestandsaufnahme nicht nur der Familiengeschichte, sondern fragt auch nach den Bedingungen jeglichen Erzählens über Herkunft. Wie kann man verstehen, wer man ist, wenn man nicht weiß, woher man kommt? Die preisgekrönte und in Karlsruhe geborene Autorin und Illustratorin Nora Krug lebt seit über 17 Jahren in New York, ist verheiratet mit einem amerikanischen Juden und begibt sich auf Spurensuche: Was hatte Großvaters Fahrschule mit dem jüdischen Unternehmer zu tun, dessen Chauffeur er vor dem Krieg gewesen war? Und was sagen die mit Hakenkreuzen dekorierten Schulaufsätze über ihren Onkel, der mit 18 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel? "Heimat" ist ein großes Erinnerungskunstwerk, in dem Familiengeschichte auf Zeitgeschichte trifft.

In Zusammenarbeit mit dem forum für jüdische kultur und bildung e.V.

Eintritt: 10,-/8,-/5,- Euro

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix